Auf dem Weg nach nach ganz oben

Keulen, Ringe, Bälle - Ein Bub aus Memmingen ist Deutschlands Ausnahmetalent


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Keulen, Ringe, Bälle - Ein Bub aus Memmingen ist Deutschlands Ausnahmetalent

Thomas Janke ist erst 13 Jahre alt - aber als Jongleur schon weltbekannt

Es ist Seltsam still in der Turnhalle im Westen von Memmingen. Eher ungewöhnlich an einem Ort, wo sich sonst Schüler Bälle passen und auf Metalltore bolzen. Bis auf ein leises Flap-Flap-Flap ist es still. Meditativ. Thomas Janke wirft die Keulen hoch, sie drehen sich, erreichen alle die gleiche Höhe, bleiben einen kurzen Moment in der Schwebe, so als hätte der 13-Jährige Tempojongleur die Schwerkraft überlistet. Dann fallen sie wieder, leuchten kurz auf im Sonnenlicht, das durch das staubige Fenster in der Turnhalle fällt, landen in Thomas Hand, der sie geschickt sofort wieder in die Luft schleudert. Jeder Handgriff sitzt. Dafür hat der junge Artist auch jahrelang geübt---Neben Fürst Albert von Monaco lächelt er in die Kamera---und inzwischen jongliert er keineswegs nur auf Geburtstagsfeiern. Thomas Janke gehört schon zu den Stars der Branche, und das, ohne in einer Zirkusfamilie geboren zu sein. Mit acht Jahren habe ich der Zirkusgruppe „Die Quirligen“ zugesehen. Von da an war ich infiziert. Bald lernte er sich bei ihnen an und lernte die Grundlagen des Jonglierens. Seitdem trainiert er täglich zwei Stunden. „In den Ferien auch mal vier“. Machts immer Spaß? „Es gibt Tage da fallen die Keulen immer runter. Dann rege ich mich ziemlich auf“, gibt Thomas zu.

Doch dann gibt es auch wieder Tage, an denen alles klappt. An denen es klappen muss: Denn das Publikum erwartet eine perfekte Show. „Mein größter Auftritt: Vor 4000 Leuten in Monaco“, erzählt Thomas und klingt dabei ganz bescheiden. „Da habe ich den dritten Preis beim Nachwuchs-Zirkusfestival gewonnen.“ Vier mal stand er im vergangenen September dort auf der Bühne. Sogar auf die Titelseite des „Nice-Matin“ hat er es geschafft. Stolz präsentiert er den Zeitungsausschnitt. Auf dem Foto lächelt er zwischen Prinzessin Stéphanie und Fürst Albert von Monaco in die Kamera.

Im Zimmer des 13-Jährigen thronen Pokale, Urkunden und Fotos von Auftritten auf dem schlichten Schrank. Lampenfieber verspürt er nach so viel Bühnenerfahrung nicht mehr, auch wenn er zugibt, früher noch „sehr aufgeregt“ gewesen zu sein. Er präsentiert die Fotos von seinen Vorbildern und zählt die Namen so schnell auf, wie er seine Keulen fliegen lässt: „Das da ist Anthony Gatto, der beste und bekannteste Jongleur der Welt. Der hier ist Mario Berousek, der ist der schnellste, und da bin ich mit Semen Krachinov auf dem Bild, der verkauft sich gut beim Publikum und ist sehr sympathisch, mit dem war ich in Wiesbaden.“ Was für ein Zufall: Mit Daniel Hochsteiner hat er noch einen weiteren Top-Jongleur als Nachbarn. Der „King of Juggling“ wohnt im gleichen Haus. Manchmal trainieren sie zusammen in der Turnhalle.

Den Schlüssel zur Turnhalle hat Thomas vom Bürgermeister selbst bekommen - nachdem der Chef vom Zirkus Krone bei der Stadt Memmingen anfragte. „Früher habe ich noch draußen im Hof geübt“, sagt Thomas. „Oder im Zimmer, wenn es zu kalt war“. Auf den Knien, sonst reichte der Platz nach oben nicht. „In der Zimmerdecke gab es trotzdem ein paar Abdrücke“, sagt Thomas. Die sind inzwischen aber schon zugespachtelt. Wenn Thomas über seine Erfahrungen und Erfolge berichtet, dann klingt das eher zurückhaltend und bescheiden. Der Erfolg ist dem Buben nicht zu Kopf gestiegen.

Seine Familie steht beim seinem Hobby - und und inzwischen auch Beruf - voll hinter ihm. Dabei haben sie selber garnicht viel mit Zirkus am Hut: Vater Johann ist Staplerfahrer, Mutter Sonja Hausfrau und Putzfrau. Seine 33-jährige Schwester Natascha war früher einmal auf dem Trapez aktiv, aber das war bevor die Familie 1990 aus Russland nach Deutschland kam. Und was sagen seine Freunde zum Jonglieren? „Manche finden es cool. Manche finden´s doof, die spielen lieber Fußball. Das mag ich aber nicht so gern.“ —„Wegen der Schule muss ich fast allen Zirkussen absagen“—

Dann gibt er aber noch zu: „Manchmal hab ich keine Lust und würde lieber etwas anderes machen. Aber ich will Jongleur werden, da muss ich halt trainieren.“
Thomas würde am liebsten gleich voll als Jongleur durchstarten, wäre da nicht die Schule. In zwei Jahren hat der Siebtklässler seinen Hauptschulabschluss. Seine Noten? Durchschnittlich. „Auf eine höhere Schule will ich aber nicht, da hätte ich keine Zeit mehr zum Trainieren.“ Schon jetzt kollidiert der Unterricht mit seiner Karriere: „Viele Zirkusse wollen mich haben, aber wegen der Schule muss ich fast allen absagen.“

Ab und zu lässt sich dann zum Glück doch ein Auftritt dazwischen schieben. Dann tourt der begehrte 13-Jährige mit seinem Vater durch Europa: Demnächst stehen Auftritte bei Zirkuswettbewerben in Moskau und Italien an, und für den kommenden Februar hat ihn schon der Zirkus Krone gebucht. Einen Monat lang tritt er dann sechs mal in der Woche auf - „dafür habe ich mir von der Schule freigenommen, nur Montags muss ich in den Unterricht.“

Dann heißt es wieder: Im Rampenlicht stehen, eine perfekte Show liefern. Thomas kann mit fünf Keulen, sieben Ringen oder sieben Bällen jonglieren. „Neun Bälle sind Weltrekord.“ Am liebsten jongliert er mit den Keulen, am wenigsten mag er die Ringe, denn „die machen die Haut kaputt“, erklärt er und zeigt auf die Delle zwischen Zeigefinger und Daumen.
Inzwischen verdient er auch sein eigenes Geld mit den Auftritten. Wie viel, das möchte er nicht in der Zeitung stehen haben. Es reicht aber für große Träume. Thomas trägt ein Ferrari-Shirt. Auf Nachfrage, ob er sich denn mal einen kaufen will, meint er: „Ja - aber erst mit 25.“